Prof. Dr. Michi Knecht

Als Teil des Sprecher*innenteams des neuen Kollegs begrüße ich sie gemeinsam mit Ingo H. Warnke sehr herzlich auf unserer neuen, noch in Entwicklung begriffenen Homepage. Ich bin Professorin für Ethnologie / Sozial- und Kulturanthropologie an der U Bremen, Mitherausgeberin des Blogs „DCNtR – Decolonizing Collections – Networking towards Relationality“ (boasblogs.org/) und Mitgründerin des „Bremen NatureCultures Labs (BNCL)“: naturenkulturen.de). Ebenfalls gemeinsam mit Ingo H. Warnke bin ich auch Sprecherin der interdisziplinäre Verbundforschungsplattform „Worlds of Contradiction“ (www.woc.uni-bremen.de/).

Methodisch und theoretisch verorten sich meine Arbeiten primär im Kontext von Praxistheorien in den interdisziplinären STS (Social Studies of Sciences and Technologies). Ich bin zudem eine leidenschaftliche Ethnographin. Das Kolleg soll ein besonderer Ort gemeinsamen Forschens sein: Eine Art Inkubator, der beständig (auch widersprüchlich!) neue Ideen und Formate generiert. Eine Art Brücke zwischen den Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften sowie in unterschiedliche Öffentlichkeiten. Und eine Instanz der kritischen Übersetzung und Infragestellung von Denkweisen und Konzepten. Um die Möglichkeiten, Grenzen und Zukünfte sehr unterschiedlicher Menschen und Gesellschaften in einer zunehmend verflochtenen Welt angemessen reflektierbar zu machen, müssen die Wissensgeschichten unserer Fächer neu befragt und weiterentwickelt werden. Contradiction Studies bilden deshalb für mich einen Ausgangspunkt zur Kosmopolitisierung und Dekolonisierung der Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften.

Das Erkenntnisinteresse meiner eigenen Forschungen zielt auf Zusammenhänge zwischen Wissenspraktiken und sozialen sowie politischen Formen.  Solche Zusammenhänge habe ich am Beispiel von Reproduktionstechnologien und neuer Verwandtschaft untersucht, in religiös-politischen Bewegungen, im Kontext von Armut und in Bezug auf die Transformation von Anonymitätsregimen. Gegenwärtig beschäftige ich mich mit unerwiderter Reziprozität und „object-extractivism“ in der Konfrontation pazifischer Gabengesellschaften mit dem deutschen Kolonialismus.  Ich freue mich auf Projektvorschläge, die diverse Konstellationen von Widerspruch, Widerspruchsfreiheit und einem Leben voller Widersprüche ethnographisch in gegenwärtigen Problemzonen und Themenfeldern ausloten. Das können, müssen aber nicht, wissens- und wissenschaftsanthropologische Projekte sein, Projekte zu (postkolonialen) NaturenKulturen, zu den aktuellen Museumsdebatten, aber auch Ideenskizzen, die ethnographisch, kollaborativ und experimentell neue Wege vorschlagen.